Solang' im Mann die Lust am Weib nicht kommt zur Ruh', Hangt er am Weibe noch, wie's Kälbchen an der Kuh.
Solange die subtilen Fäden des Verlangens zwischen Mann und Frau ungeschnitten bleiben, ist der Geist gefesselt wie ein Kalb, das sich an seine Mutter klammert.

Tiefer Kommentar

Dieser vom Buddha im Jetavana-Kloster gelehrte Vers betrifft einen jungen Mönchsschüler von Sariputta, einen hübschen Jugendlichen, der aus einer Silberschmiedefamilie stammt. Da Sariputta die starke Bindung seines Schülers an sinnliche Wünsche kannte, wies er ihn an, über die Betrachtung der Unreinheit zu meditieren. Gehorsam ging der Schüler tief in den Wald, um zu üben. Nach mehr als einem Monat machte er keine Fortschritte und meldete sich bei seinem Lehrer, der ihm riet, weiterzumachen. Doch selbst nach drei weiteren Monaten der Meditation gab es immer noch keine Fortschritte. Trotz seiner ausgeprägten Intelligenz konnte der Schüler nicht verstehen, warum er keinen Erfolg hatte. Überlegend, wie sie ihm helfen könnten, wandten sich der Lehrer und der Schüler an den Buddha. Der Buddha erkannte, dass die Veranlagung des Schülers ungeeignet war, über Unreinheit nachzudenken, da er in früheren Leben als Silberschmied tätig war und Schönheit bevorzugte. Der Buddha wies ihn dann an, über eine Lotusblume zu meditieren. Der Schüler pflückte eine Lotusblume aus einem Teich und legte sie in einen Sandhaufen, wobei er sich tief konzentrierte. Als er die frische Lotusblume im Wasser mit der verwelkten auf Sand verglich, erkannte er deutlich die Vergänglichkeit, das Leiden und die Nichtselbstständigkeit aller Phänomene. Als er den abhängigen Ursprung aller Dinge sah, hörten seine Befleckungen auf und sein Geist wurde rein. Dann erschien der Buddha und sprach den Vers, und der Schüler erlangte die Arahatschaft. Die Lehre unterstreicht die Wichtigkeit der Auswahl einer Meditationspraxis, die der eigenen Veranlagung entspricht, und die entscheidende Rolle der Wahl eines Lehrers, der entsprechend der eigenen Natur anleiten kann. Wahre Befreiung entsteht, wenn die Anhaftung vollständig gelöst wird, wie beim Pflücken einer Lotusblume im Herbst: Der Geist wird rein und der Praktizierende erfährt Frieden, Freude und schließlich Nibbana.

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